Medizinischer Notfall im Flugzeug: Was passiert an Bord?

Ein medizinischer Notfall im Flugzeug ist selten – kann aber jederzeit auftreten. Kreislaufprobleme, Atembeschwerden oder starke Schmerzen gehören zu den möglichen Gründen, warum Passagiere während eines Fluges medizinische Hilfe benötigen. Doch wer hilft eigentlich an Bord? Welche medizinische Ausstattung gibt es im Flugzeug? Und wann entscheidet sich der Pilot für eine Zwischenlandung?

In diesem Artikel erfährst du, was bei einem medizinischen Notfall im Flugzeug passiert, wer die Erstversorgung übernimmt und wie Ärzte an Bord sowie medizinische Dienste am Boden unterstützen. Außerdem erklären wir, welche Notfallausrüstung Flugzeuge mitführen und wann eine Zwischen- oder Sicherheitslandung notwendig werden kann.

  1. Was passiert bei einem medizinischen Notfall im Flugzeug?
  2. Wer hilft bei einem medizinischen Notfall an Bord?
  3. Welche medizinische Ausstattung gibt es im Flugzeug?
  4. Wann muss ein Flugzeug wegen eines medizinischen Notfalls zwischenlanden?
  5. Was passiert nach einer medizinischen Zwischenlandung?
  6. Medizinischer Notfall im Ausland: Warum eine Auslandskrankenversicherung wichtig ist

Was passiert bei einem medizinischen Notfall im Flugzeug?

„Ist ein Arzt an Bord?“ – diesen Aufruf kennen viele aus Filmen, manche haben ihn auf einer Flugreise bereits selbst erlebt. Tatsächlich reicht die Bandbreite medizinischer Zwischenfälle an Bord von vergleichsweise harmlosen Kreislaufproblemen bis zu seltenen lebensbedrohlichen Notfällen.

Treten bei einem Passagier oder Crewmitglied plötzlich gesundheitliche Beschwerden auf, übernimmt zunächst die Kabinenbesatzung die Versorgung. Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter sind für medizinische Notfälle und Erste-Hilfe-Maßnahmen geschult.

Je nach Situation können beispielsweise Sauerstoff verabreicht, Vitalwerte kontrolliert oder weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet werden.

Bei einem ernsteren medizinischen Problem kann die Crew zusätzlich fragen, ob sich medizinisches Fachpersonal unter den Passagieren befindet.

Welche medizinischen Notfälle kommen im Flugzeug häufig vor?

Zu den typischen gesundheitlichen Problemen während eines Fluges gehören unter anderem Kreislaufbeschwerden bis hin zur Ohnmacht, Atemwegsbeschwerden, Übelkeit und Magen-Darm-Probleme. Auch allergische Reaktionen, starke Schmerzen, neurologische Beschwerden oder Herz-Kreislauf-Notfälle können auftreten.

Wer hilft bei einem medizinischen Notfall an Bord?

Die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Beschwerden ist immer die Kabinenbesatzung. Sie beurteilt die Situation, leistet Erste Hilfe und informiert bei Bedarf das Cockpit.

Was passiert, wenn ein Arzt an Bord ist?

Bei ernsteren Beschwerden kann die Crew medizinisches Fachpersonal unter den Passagieren um Unterstützung bitten. Ärztinnen und Ärzte können den Zustand des Patienten beurteilen und gemeinsam mit der Crew über weitere medizinische Maßnahmen beraten.

Einige Fluggesellschaften haben hierfür eigene Programme. Bei Lufthansa können sich Mediziner beispielsweise für das „Doctor on Board“-Programm registrieren. Dadurch weiß die Crew unter bestimmten Voraussetzungen bereits, dass sich medizinisch qualifizierte Passagiere an Bord befinden.

Medizinische Unterstützung vom Boden

Nicht immer befindet sich medizinisches Fachpersonal im Flugzeug. Einige Airlines können deshalb während des Fluges auf spezialisierte medizinische Beratungsdienste am Boden zurückgreifen.

Die Crew übermittelt Informationen zum Zustand des Patienten und erhält eine medizinische Einschätzung sowie Empfehlungen zur weiteren Versorgung. Bei schweren Notfällen kann diese Beratung auch eine Rolle bei der Frage spielen, ob und wo das Flugzeug zwischenlanden sollte.

Die Entscheidung über eine außerplanmäßige Landung trifft letztlich der verantwortliche Pilot unter Berücksichtigung der medizinischen Einschätzung und der konkreten Flugsituation.

Welche medizinische Ausstattung gibt es im Flugzeug?

Passagierflugzeuge müssen medizinische Ausrüstung für Notfälle mitführen. Welche Ausstattung konkret vorgeschrieben ist, hängt unter anderem von den geltenden luftfahrtrechtlichen Vorgaben, der Flugzeuggröße und dem Einsatzgebiet ab.

Zur medizinischen Notfallausstattung können unter anderem gehören:

  • Erste-Hilfe-Sets
  • medizinischer Sauerstoff
  • ein Emergency Medical Kit mit weiterführender medizinischer Ausstattung
  • ein automatisierter externer Defibrillator (AED)

Ein Emergency Medical Kit kann beispielsweise Instrumente und Medikamente enthalten, die medizinisches Fachpersonal bei einem ernsteren Notfall einsetzen kann. Die genaue Ausstattung kann je nach Airline und Flugzeug variieren.

Gibt es einen Defibrillator im Flugzeug?

Auf vielen Verkehrsflugzeugen gehören automatisierte externe Defibrillatoren (AED) zur Notfallausstattung. Sie können bei bestimmten Formen eines plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstands eingesetzt werden und führen die Anwender mit Sprach- oder Bildanweisungen durch die notwendigen Schritte.

Die Crew wird im Umgang mit der medizinischen Notfallausrüstung regelmäßig geschult.

Wann muss ein Flugzeug wegen eines medizinischen Notfalls zwischenlanden?

Nicht jeder medizinische Zwischenfall führt zu einer außerplanmäßigen Landung. Entscheidend ist, ob der Patient an Bord ausreichend versorgt werden kann oder möglichst schnell weiterführende medizinische Behandlung benötigt.

Eine Zwischen- oder Sicherheitslandung kann beispielsweise erwogen werden bei einem Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall, schweren Atemproblemen, Bewusstlosigkeit mit unklarer Ursache, schweren Verletzungen oder anderen akut lebensbedrohlichen Zuständen.

Dabei geht es jedoch nicht nur darum, welcher Flughafen am nächsten liegt. Auch die medizinische Versorgung am Boden, die Länge der verbleibenden Flugzeit, Wetterbedingungen, die Flugroute und weitere operative Faktoren können eine Rolle spielen.

Wer entscheidet über die Zwischenlandung?

Die endgültige Entscheidung liegt beim verantwortlichen Piloten. Medizinisches Fachpersonal an Bord oder medizinische Beratungsdienste am Boden können eine Empfehlung aussprechen, die Entscheidung über den weiteren Flugverlauf trifft jedoch das Cockpit.

Was passiert nach einer medizinischen Zwischenlandung?

Wird wegen eines medizinischen Notfalls außerplanmäßig gelandet, kann am Flughafen bereits medizinische Hilfe bereitstehen. Je nach Gesundheitszustand wird der betroffene Passagier anschließend beispielsweise vom Rettungsdienst übernommen und in eine geeignete Klinik gebracht.

Damit endet allerdings die medizinische Ausnahmesituation für den Reisenden häufig noch nicht. Befindet sich der Zwischenlandeort im Ausland, können weitere Arzt- oder Krankenhauskosten entstehen. Auch eine spätere Weiterreise oder ein medizinisch notwendiger Rücktransport kann organisiert werden müssen.

Medizinischer Notfall im Ausland: Warum eine Auslandskrankenversicherung wichtig ist

Ein medizinischer Notfall während des Fluges kann dazu führen, dass du ungeplant in einem anderen Land medizinisch behandelt werden musst. Vor allem außerhalb Deutschlands können Arzt-, Krankenhaus- oder Transportkosten schnell hoch ausfallen.

Eine Auslandskrankenversicherung kann – abhängig vom gewählten Tarif und den Versicherungsbedingungen – Kosten für medizinisch notwendige Behandlungen übernehmen und bei der Organisation der weiteren Versorgung unterstützen.

Bist du bei der ERO Reiseversicherung auslandskrankenversichert, kannst du dich bei medizinischen Problemen im Ausland an die Notrufzentrale wenden. Sie unterstützt beispielsweise bei der Suche nach geeigneten Ärzten oder Kliniken, bei der Organisation einer Behandlung und – sofern versichert und medizinisch erforderlich – bei einem Krankenrücktransport.