- Was ist Reisedurchfall?
- Wie häufig ist Reisedurchfall wirklich?
- Diese Erreger stecken dahinter
- In diesen Regionen ist das Risiko am höchsten
- Symptome: Woran du Reisedurchfall erkennst
- Vorbeugung: So senkst du dein Risiko
- Behandlung: Was im Ernstfall hilft
- Wann du unbedingt einen Arzt aufsuchen solltest
- Das gehört in deine Reiseapotheke
- Häufige Fragen
Kaum angekommen, schon flachgelegt: Reisedurchfall ist die mit Abstand häufigste Gesundheitsbeschwerde auf Reisen und kann selbst gut geplante Trips gehörig durcheinanderbringen. Meist ist er harmlos und nach wenigen Tagen überstanden – trotzdem lohnt es sich, die Ursachen, die Vorbeugung und die richtige Erste-Hilfe-Reaktion zu kennen. Wir zeigen dir, wie du das Risiko senkst und was im Ernstfall wirklich hilft.
Als Reisedurchfall (medizinisch: Reisediarrhö) bezeichnet man eine akute Durchfallerkrankung, die während oder kurz nach einer Reise ins Ausland auftritt – typischerweise ausgelöst durch verunreinigtes Essen oder Wasser. Er zählt zu den häufigsten Reisekrankheiten überhaupt und betrifft praktisch jeden Reisenden irgendwann einmal.
Die Zahlen sind höher, als viele denken: Je nach Reiseziel und Jahreszeit erkranken zwischen 30 und 70 % aller Reisenden innerhalb von zwei Wochen an Reisedurchfall. Besonders betroffen sind jüngere Erwachsene – ein Geschlechterunterschied besteht nicht. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen ist die Erkrankung mild und klingt innerhalb von drei bis fünf Tagen von selbst wieder ab.
Die Ursache ist fast immer eine Infektion – ausgelöst durch Bakterien, Viren oder (seltener) Parasiten, die über Essen oder Trinkwasser aufgenommen werden.
| Erregertyp | Anteil der Fälle | Beispiele |
|---|---|---|
| Bakterien | ca. 75–90 % | E. coli, Campylobacter, Shigellen, Salmonellen |
| Viren | ca. 10–25 % | Noroviren, Rotaviren, Astroviren |
| Parasiten | ca. 10 % | Giardien, Kryptosporidien, Amöben |
Am häufigsten ist mit Abstand das Bakterium E. coli. Die Symptome setzen je nach Erreger unterschiedlich schnell ein: Bakterielle und virale Infektionen machen sich meist innerhalb von 6 bis 96 Stunden bemerkbar, parasitäre Infektionen oft erst nach ein bis zwei Wochen.
Das Risiko hängt stark von der Trinkwasser- und Lebensmittelhygiene vor Ort ab – entsprechend höher ist es in Regionen mit unzureichender Wasseraufbereitung. Besonders während der heißen Monate vor dem Monsun ist das Risiko in Südasien erhöht. Für bestimmte Erreger wie Cyclospora gelten zudem Länder wie Guatemala, Haiti, Nepal und Peru als besondere Risikogebiete.
Typische Anzeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfall und mitunter leichtes Fieber – meist 12 bis 72 Stunden, nachdem du verunreinigte Nahrung oder Wasser aufgenommen hast. In den meisten Fällen bleibt es bei einem milden, selbstlimitierenden Verlauf.
Ganz verhindern lässt sich Reisedurchfall nicht – du kannst das Risiko aber deutlich senken:
- Iss nur gut durchgegarte, heiß servierte Speisen.
- Trinke nur Wasser aus verschlossenen Flaschen oder abgekochtes Wasser – Vorsicht auch bei Eiswürfeln, die oft aus normalem Leitungswasser stammen.
- Schäle Obst selbst, statt bereits geschältes Obst zu kaufen.
- Verzichte auf rohes Gemüse und offene Saucen/Dips unbekannter Herkunft, besonders von Straßenständen.
- Achte auf Handhygiene, vor allem vor dem Essen.
Die Faustregel "Koch es, schäl es, oder lass es" reduziert das Risiko spürbar – eine Garantie ist sie allerdings nicht, da du die Küchenhygiene im Restaurant nicht kontrollieren kannst.
Erwischt es dich trotzdem, kommt es vor allem auf drei Dinge an:
- Flüssigkeit ersetzen. Das Wichtigste bei Durchfall ist, den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen – am besten mit oralen Rehydratationslösungen aus der Apotheke, ergänzt durch abgefülltes oder abgekochtes Wasser.
- Durchfallmittel gezielt einsetzen. Loperamid kann die Symptome lindern und ist ein fester Bestandteil vieler Reiseapotheken. Wichtig: Es eignet sich nicht für Kleinkinder, und bei blutigem Durchfall oder hohem Fieber solltest du es nicht ohne ärztlichen Rat einnehmen – dahinter kann eine schwerere, invasive Infektion stecken, die durch die Verzögerung der Ausscheidung verschlimmert werden kann.
- Antibiotika nur bei schwerem Verlauf. Bei einem milden Verlauf sind Antibiotika nicht nötig. Bei mittelschweren bis schweren Fällen (z. B. ab drei wässrigen Stühlen innerhalb von acht Stunden) können sie sinnvoll sein – das entscheidet aber der Arzt oder die reisemedizinische Beratung vor Ort, nicht die Selbstmedikation. Wichtig zu wissen: Klassische Wirkstoffe wie Ciprofloxacin verlieren durch zunehmende Resistenzen – besonders in Süd- und Südostasien – an Wirksamkeit, weshalb heute häufiger auf Azithromycin zurückgegriffen wird.
So unangenehm Reisedurchfall ist – meist reicht Abwarten und Flüssigkeitszufuhr. Einen Arzt solltest du aber aufsuchen bei:
- hohem Fieber
- Blut im Stuhl
- Anzeichen starker Dehydrierung (z. B. starker Durst, sehr wenig Urin, Schwindel)
- Symptomen, die trotz Behandlung nicht innerhalb weniger Tage besser werden
Gerade unterwegs ist eine schnelle ärztliche Einschätzung oft unkompliziert möglich, ohne dass du dafür eine Praxis vor Ort suchen musst.
Für den Fall der Fälle solltest du diese Dinge dabeihaben: ein Mittel gegen Durchfall (z. B. Loperamid), orale Rehydratationssalze, Fieberthermometer sowie – je nach Reiseziel – ein Breitband-Antibiotikum, das dir dein Arzt vorab verschreiben kann.
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.